Das Kirchenjahr

Das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent und endet mit dem sog. "Ewigkeitssonntag".

 

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DAS KIRCHENJAHR (Übersicht)

Das Kirchenjahr beginnt am 1. Adventssonntag und endet eine Woche davor am „Ewigkeitssonntag“.
ADVENT
Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“: die Kirche erinnert sich der Ankunft Christi "in Knechtsgestalt"  (vgl. Phil 2,6-11), als er Mensch wurde - und hält ihre Hoffnung wach, dass Christus wiederkommen werde "in Herrlichkeit", um sein Werk zu vollenden.
Ursprünglich war der Advent eine stille Zeit, gedacht als Vorbereitung auf Weihnachten. Die Adventszeit beginnt mit dem ersten Adventssonntag und erstreckt sich auf die vier Wochen vor Weihnachten. In vielen Kirchen und Haushalten wird dann die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet. Das mit jedem Sonntag zunehmen-
de Licht soll auf das Licht verweisen, das der ganzen Welt an Weihnachten geschenkt wurde.
WEIHNACHTEN
Spätestens seit dem 4.Jh. feiern ChristInnen in der Nacht vom 24. Auf den 25. Dezember die Geburt ihres Herrn. Manches spricht dafür, dass dieser Termin gewählt wurde, um damit das Geburtsfest des römischen Sonnengottes zu ersetzen. Die Bibel sagt, dass Jesus in einer Nacht geboren wurde; deshalb feiern wir in unserer Kirch-
gemeinde an Heiligabend jeweils auch spätabens die „Christnacht“; am Weihnachtstag feiern wir einen Gottesdienst mit Abendmahl.
EPIPHANIE/ DREI KÖNIGE (6. JANUAR)
Mit „Ephiphanie“ (griech. „Erscheinung“) ist hier gemeint, dass durch Jesus die Herr-
lichkeit GOTTes in der Welt erschienen ist. Deshalb wird an diesem Festtage der Geburt Christi, aber auch seiner Taufe und seines ersten Wunders (Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana) gedacht. Das Tagesevangelium erzählt vom Besuch der Weisen aus dem Morgenland, weshalb das Fest im Volksmuns auch „Dreikönigstag“ heisst.
LICHTMESS (2. FEBRUAR)
Die Weihnachtszeit dauert bis zum 2. Februar (bis 40 Tage nach der Geburt von Jesus): der Tag, als er von Maria und Josef in den Tempel gebracht und – wie jeder jüdische Erstgeborene – GOTT präsentiert wurde (und der greise Priester Simeon das Kind im Tempel prophetisch als „Licht der Völker“ bezeichnete).
ASCHERMITTWOCH
Mit Aschermittwoch beginnt die Passionszeit (Fastenzeit; österliche Busszeit). Er hat seinen Namen vom katholischen liturgischen Brauch, den Gläubigen an diesem Tag
mit geweihter Asche (Symbol für die Vergänglichkeit, hergestellt durch Verbrennen der Palmsonntags-Zweige des Vorjahres) ein Kreuz auf das Haupt zu zeichnen,
als Mahnung angesichts unserer Sterblichkeit zur Umkehr zu GOTT.
PASSIONSZEIT
Die Passionszeit umfasst 46 Tage, wobei an den 6 Sonntagen nicht Jesu Leiden, sondern österliche Themen aufgenommen werden, wie etwa seine Überlegenheit gegenüber lebensfeindlichen Mächten. Die Sonntage in der Passionszeit tragen folgende Namen: „Invocavit“  /  „Reminiscere“  /  „Oculi“   /  „Laetare“  / „Judica“ / „Palmarum“ (Palmsonntag)
PALMSONNTAG
Mit Palmsonntag beginnt die Karwoche. Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in die Stadt und in den Tempel Jerusalems. Laut dem Johannesevangelium säumte feierndes Volk seinen Weg; sie jubelten ihm mit Palmzweigen zu und legten Kleider
als Teppich auf seinen Weg (Joh 12,12-18).
GRÜNDONNERSTAG
Am Abend vor seinem Tod lud Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zu einem Abschiesdmahl, wusch ihnen die Füsse und gab ihnen das Gebot „Liebt einander, wie ich Euch geliebt habe“ (Joh 13,34). Dann machte er Brot und Wein zum Zeichen für seine Lebenshingabe und seine wirkliche Gegenwart („Das ist mein Leib“, „das ist
mein Blut“). Ausserdem gedenkt die Kirche der Todesangst Jesu am Ölberg und seiner Verhaftung (der Name „Gründonnerstag“ kommt wahrscheinlich vom alten Wort „grinen“ = „klagen“).
KARFREITAG
Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung Jesu und gilbt seit alters her als strenger Fastentag. Die Silbe ‚kar' geht zurück auf das althochdeutsche Wort ‚kara', "Kummer, Sorge, Trauer“. Um 15 Uhr gedenken manche Kirchen der Todessstunde Jesu.
KARSAMSTAG
Der Tag der „Grabesruhe des Herrn“ wird bewusst ohne feierliche Liturgie begangen.
In vielen Kirchen werden tagsüber die Osterspeisen gesegnet, mit deren Genuss an Ostern die Fastenzeit beendet werden wird. Am Samstagabend beginnt mit der Osternacht in vielen Gemeinden die Auferstehungsfeier.
OSTERNACHT
Mit dem Sonnenuntergang beginnt die Osternacht (sie gehört bereits zum Ostersonntag), der Höhepunkt des Kirchenjahres: in der Osternacht wird das Herz
des christlichen Glaubens mit grossem Jubel gefeiert: die Auferstehung Jesu.
In frühchristlicher Zeit wurde die Taufe bevorzugt in der Osternachtfeier gespendet (unser Wort „Ostern“ stammt nach neueren Forschungen vom alten Wort „austra“
für „Taufe“ her).
OSTERSONNTAG
Seit dem Konzil von Nizäa (325) wird Ostern immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert, dem jüdischen Pessach-Termin. Das grösste Fest der Christenheit verkündet den Sieg des Lebens über den Tod: „Der Herr ist wirklich auferstanden!“ (Lk 24,34).
Neutestamentliche Stimmen wissen um das Unfassbare der Osternachricht und lassen die LeserInnen spüren: das Geschehen vom Ostermorgen - der weggerollte Stein, das leere Grab - hat etwas „Verrücktes“ an sich. Was geschah, ist nicht so, wie es nach menschlicher Erfahrung sein müsste. Genau in diesem Überraschenden, Unerwarteten liegt vielleicht die grosse Kraft von Ostern. Hier erweist sich Jesus immer wieder als der Lebendige, ins Leben Auferstandene. Hier verbindet sich sein Leben mit unserem Leben. Von da her werden unsere Grenzen und die Begrenzungen anderer in Frage gestellt. Die Antwort könnte dann in den neuen Möglichkeiten liegen, die ein österlich befreites Denken und Handeln in und für uns eröffnet. Dass aus dem Kreuz des Todes paradoxerweise ein Zeichen des Lebens wird, lässt sich zwar denken - nachvollziehen und begreifen kann man es wohl nur, indem man es lebt. Dann wird Ostern tatsächlich zum bedeutsamsten christlichen Fest!
OSTERMONTAG
Der zweite Ostertag ist kein kirchlich gebotener, aber vom Staat gewährter Feiertag, der die Bedeutung des christlichen Auferstehungsfestes unterstreicht.
AUFFAHRT  / CHRISTI HIMMELFAHRT
Die Bibel erzählt in den vier Evangelien, dass der zu Ostern auferstandene Jesus seinen JüngerInnen 40 Tage lang immer wieder erschien. Am 40. Tag sahen sie Jesus den Christus zum letzten Mal. Dann wurde er vor den Augen seiner Freunde von einer Wolke aufgenommen und ihren Blicken entzogen. Er ging endgültig „in den Himmel“, wurde in die Herrlichkeit GOTTes aufgenommen. Seit dem 4. Jahrhundert wird am Donnersatag nach dem 5. Sonntag nach Ostern, also 40 Tage nach Ostern, das Fest „Christi Himmelfahrt“ gefeiert; vorher wurden die 50 Tage nach Ostern als eine einzige Festzeit gefeiert.
Für viele Menschen ist Christi Himmelfahrt ein wenig greifbares Fest, und so entstanden im Mittelalter zahlreiche Bräuche, die das Geschehen vorstellbarer machen sollten: zwei Priester schwangen im Gottesdienst ein Weihrauchfass und erzeugten eine sichtbare Wolke, die zum Himmel, zumindest aber zur Kirchendecke zog; oder eine Christusfigur wurde am Ende des Gottesdienstes zu einer Öffnung in der Kirchendecke gezogen, wobei manchmal anschliessend eine Teufelsfigur hinab-
geworfen und von den Gottesdienstbesuchern getreten und zerrissen wurde.
Bei uns ist es üblich, am Auffahrts-Donnerstag einen Gottesdienst mit Abendmahl zu feiern. Wir sind alle eingeladen, uns der Atmosphäre des menschenfreundlichen Gottes anzuvertrauen, der uns "die Fülle dessen, der alles mit allem erfüllt" (Eph 1,23) bereitstellt.
PFINGSTEN
Das Wort "Pfingsten" kommt vom griechischen Wort "pentecoste" („der 50.“ [Tag]). Nach dem Bericht in der Apostelgeschichte ereignete sich fünfzig Tage nach Ostern Besonderes: es rauschte mächtig wie bei einem Sturm; es brannte, wie wenn jemand Feuer angezündet hätte, und doch wurde niemand verbrannt ... Der Sturm, das Feuer, das war der Geist GOTTes, der die FreundInnen von Jesus erfasste, sie begeisterte und ihnen ungeahnte Kräfte verlieh. Sie wurden vom Geist GOTTes erfüllt und gingen be“geist“ert weiter und erzählten aller Welt die Botschaft von der Auferstehung Jesus des Christus! Mit Pfingsten endet die österliche Freudenzeit.
TRINITATIS
Am Sonntag nach Pfingsten betrachtet die Kirche das Geheimnis des göttlichen Lebens: GOTT ist kein einsames ICH, sondern ewiger Kreislauf der Liebe. Als „Vater/
Mutter“ ist er/sie schenkende Liebe; als „Sohn“ empfangende Liebe, als „Heilige Geistkraft“ austauschende Liebe. Der eine GOTT existiert in drei „Personen“ (Dreifaltigkeit/Dreieinigkeit) und will die Schöpfung an seiner/ihrer Liebe teilhaben lassen.
EIDGENÖSSISCHER DANK-, BUSS- UND BETTAG
Alle Religionen kennen Erntedankfeste, weil Menschen wissen, dass die Erde, von der sie leben, nicht von ihnen selbst gemacht ist.
War der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag zur Zeit seiner Einführung noch durch die Obrigkeit angeordnet, so hat sich sein Verständnis in den letzten Jahrzehnten doch ständig ein wenig gewandelt, und die reformierten Christen nehmen ihn heute überwiegend eher als Anlass zu Einkehr und Besinnung: dankbar gegen über GOTT sein, der Dankbarkeit gegenüber GOTT, die eigene Unzulänglichkeit einsehen und nach der Bedeutung des Gebets für sich zu fragen. Beten ist nach biblischem Verständnis kein naives Rufen nur in der Not, sondern Ausdruck eines weite Phasen unseres Lebens umfassenden Dialogs mit Gott. Es ist unsere Antwort auf GOTTes uns angebotenes nahes und vertrauensvolles Verhältnis. Es ist unsere Antwort auf GOTTes vorgängiges Vertrauen in uns! Als ganze Person mit allen Glanz- und Schattenseiten sind wir gefragt, eingebunden und von GOTT bejaht.
REFORMATIONSSONNTAG
Der Reformationstag (gefeiert am ersten Sonntag im November) erinnert an Luthers Thesen: Am 31. Oktober 1517, kurz vor Mittag, schritt Martin Luther, begleitet von einem Studenten, auf die Schlosskirche in Wittenberg zu und schlug dort ein Plakat mit 95 Sätzen in lateinischer Sprache an. Luthers Thesen sagen, dass Vergebung allein durch GOTTes Gnade - aufgrund des Kreuzestodes Jesu Christi - geschenkt wird und nicht durch Ablass erkauft werden kann. Luther wollte eine Kirche der Busse, ermöglicht allein durch Gnade; eine Kirche des Wortes, gegründet im biblischen Wort; und eine Kirche der Liebe. In gewisser Weise hat damit die Reformation begonnen, durch die wir heute zu einer evangelisch reformierten Kirche gehören. Der Reforma-
tionssonntag hat sich im Berner Volk nie sehr tief verwurzeln können, vielleicht deshalb, weil er nicht Heldenverehrung oder Repetition von äusseren Ereignissen sein soll, auch nicht Behandlung von konfessionellen Kontroversfragen, sondern vielmehr zur Busse und Besinnung rufen will, was nie besonders anziehend wirkt.
ALLERHEILIGEN, ALLERSEELEN
Seit dem 9. Jh. wird in der katholischen Kirche am 1. November „Allerheiligen“ gefeiert. Das Datum wurde mitbeeinflusst vom keltischen Fest „Halloween“ ("all Hallows Evening" = „aller Heiligen Abend“): am 31. Oktober wurde der Sommer verabschiedet, am 1. November begann der Winter (und das neue keltische Kalenderjahr). Viele glaubten, dass die Toten in der Nacht in ihre alten Häuser zurückkehren würden, um Wärme und Freundschaft zu suchen - die Geister aber, die kein Heim hatten, würden
in der Nacht umherwandeln und die Menschen erschrecken.
Dem Tag nach Allerheiligen, also dem 2. November, wurde ein Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen zugewiesen, „Allerseelen“ genannt.
EWIGKEITSSONNTAG
"Deine Toten werden leben!" (Jes 26,19): Der letzte Sonntag im Kirchenjahr, also der Sonntag vor dem 1. Advent, wird bei uns als „Ewigkeitssonntag“ gefeiert. Im Volksmund heißt er auch „Totensonntag“, weil an diesem Tag mit einer speziellen Feier auf dem Friedhof und in der Kirche  Weise nochmals aller Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedacht wird. Unsere Gedanken gehen im Gottesdienst an diesem Tag aber nicht nur zurück, sondern vor allem auch nach vorn - in die Zukunft. Wir reden und singen von der Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben - darum heisst der Tag „Ewigkeitssonntag".